RYYC Rheydter Yachtclub e.V. Willkommen bei Freunden des Wassersports
                        RYYC Rheydter Yachtclub e.V.    Willkommen bei Freunden des Wassersports

Wetterkunde

Immer wieder wird das Wetter bei den Seglern zur Frage Nr. 1.

Obwohl die Mehrheit aller Segler schon einen Wetterfax oder einen Wetterschreiber und einen guten Barographen oder wenigstens ein Barometer an Bord hat, können sie oftmals die angezeigten Werte nicht richtig deuten.

Ich versuche hier mal die wichtigsten Grundregeln, die wir alle mal beim Sporthochseeschiffer- oder Sportseeschiffer- Kurs gelernt haben, anzusprechen.
Dieser Beitrag soll keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben, sondern zum Nachdenken anregen ob die Wetterkenntnisse vor dem Törn nicht doch noch einmal aufzufrischen sind. Dann natürlich mit der richtigen Fachliteratur.

 

Das planetarische Windsystem,

also unsere Winde auf unserem Globus werden durch die Sonne und der Erddrehung erzeugt. Es gibt drei Windzirkulationsebenen auf der Nord- und Süd-Halbkugel. Sie sind identisch. Wir betrachten die nördliche Halbkugel.

  1. Die Polarzirkulation zwischen den Polen 90° und der subpolaren Tiefdruckrinne 60° N. Hier herrscht vorwiegend Nordost Wind
  2. Die Zirkulation der gemäßigten Breiten zwischen der subpolaren Tiefdruckrinne 60° N und dem Hochdruckgürtel (Rossbreite ) 30° N. Hier herrscht vorwiegend Südwest Wind.
  3. Die Passatzirkulation zwischen der Breit 30° N und dem Hochdruckgürtel um den Äquator bei ca. 10°N. Hier herrscht vorwiegend Nordost Wind. ( Nordostpassat )
  4. Am Äquator herrscht große Hitze und deshalb verdunstet viel Wasser und steigt senkrecht nach oben, es entsteht also ein Tiefdruckgebiet. In der Tiefdruckrinne rund um den Äquator herrscht überwiegend kein Wind, das Gebiet wird Doldrums genannt.

Was passiert in der Tiefdruckrinne um den Äquator?

Erwärmte Luft steigt senkrecht nach oben bis auf einer Höhe von ca. 15Km. Weiteres Steigen ist nicht möglich deshalb wandert die warme Luft nach Norden (nördliche Halbkugel) wie Qualm an einer Zimmerdecke. Auf dem Weg nach Norden kühlt die Luft ab da der Einfallwinkel der Sonnenstrahlen spitzer wird. Die jetzt kältere Luft wird schwerer und sinkt zum Boden. Dieses Absinken der Luft geschieht um die ganze nördlich Halbkugel im Bereich um die 30° N. Der sogenannte Subtropische Hochdruckgürtel. Hier herrscht vorwiegend kein Wind. Die am Boden ankommende Luft muss natürlich wieder weggebracht werden, sie wandert bodennah nach Norden und nach Süden. Die nach Süden fließenden Luftmassen kommen wieder am Äquator an und so schließt sich der Kreislauf.  Die nordwärts fließende Luft stößt auf die Luft des Polarhochs bei ca. 60° N. Diese Zone zwischen 30° N und 60° N nennt man Westwindzone.

Die Westwindzone ist die einzige nicht konstante Klimazone auf der Erde.

In diesem Bereich kämpft die polare Kaltluft gegen die subtropische Warmluft um die Oberherrschaft. Dieses ineinandergreifen wird durch die

Erdrotation verstärkt. Die Erdrotation ist auch dafür verantwortlich das die Luft, die in einem Tief nach oben steigt, nicht einfach senkrecht, sonder spiralförmig gegen den Uhrzeigersinn nach oben steigt. (von oben gesehen) Im Hoch dreht der Wind im Uhrzeigersinn. Auf der Südhalbkugel genau umgekehrt. Der Wind strömt auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn aus dem Hoch heraus und im Gegenzeigersinn in das Tief hinein

Jetzt wird es aber Zeit einen weiteren Begriff den wir unbedingt brauchen zu definieren:

Isobaren

Iso = „gleich“, bar = Einheit für Luftdruck.

Um Hochs oder Tiefs darzustellen hat man die Isobaren. Isobaren sind Linien gleichen Luftdrucks um ein Hoch oder Tief. Ähnlich wie Tiefenlinien in einer Seekarte. Die Tiefenlinien / Isobaren können sich nicht kreuzen oder einfach aufhören, sondern schließen sich immer. Gemessen wird in „Millibar“ (1/1000 Bar) Abkürzung mb.In den Wetterkarten hat man sich darauf geeinigt Isobaren um ein Hoch oder Tief im Abstand von 5 mb zu zeichnen also 995, 1000, 1005, 1010, 1015, 1020 mb.

Je enger die Isobaren zusammenliegen, desto größer ist auch das Druckgefälle und desto stärker ist auch der Wind, der vom Hoch ins Tief weht.  

Merke dir:

Ist der Abstand der Isobaren relativ groß, gibt es relativ wenig Wind.

Wird der Isobaren-Abstand enger, nimmt der Wind zu.


Für unsere Breiten 50° N gilt etwa: 
Abstand der 5mb Isobaren von etwa 300 sm = ca. 3 Bft / 200sm = 5 Bft /
100sm = 7-8 Bft.

Die Isobaren zeigen aber nicht nur die ungefähre Windstärke an, sondern auch seine Richtung. Der Wind fließt in einem flachen Winkel von 10° - 20° parallel zu den Isobaren im Uhrzeigersinn aus einem Hoch hinaus und im gleichen 10° - 20° Winkel gegen den Uhrzeigersinn ins Tief hinein. Die Windstärke und der Winkel hängen vom Abstand und der Krümmung der Isobaren ab. Sind die Isobaren eng beieinander gibt es mehr Wind. Ist die Krümmung der Isobaren stark / eng wird der Winkel größer und der Wind schwächer. Die Windstärke am Tief ist immer größer als am Hoch.

Es gibt kein Sturmhoch, aber Sturmtief.

Bei gleichem Druckgefälle (Isobaren Abstand) haben wir in den Tropen deutlich mehr Wind. Das hängt mit der Rotation der Erde zusammen, die Fliehkräfte am Äquator sind größer.Hoch und Tiefs sind Gebiete vertikaler Luftbewegung. Im Hoch strömt Luft von oben nach unten und im Tief strömt Luft von unten nach oben. Mit dieser Windrichtung können wir Segler aber nicht viel anfangen. Da die Luft im Tief noch oben steigt, muss sie aus dem Umfeld angesaugt werden, ( horizontale Luftbewegung ) sie kühlt je höher sie kommt ab und wird zur Wolkenbildung.

Umgekehrt im Hoch fällt die kalte Luft von oben zum Boden und verteilt sich flächig. Die kalte Luft von oben bringt Feuchtigkeit mit und trägt so zur Auflösung der Wolken bei. Wenn warme Luftmassen auf kalte Luftmassen treffen, vermischen sie sich nicht, sondern bilden scharfe Fronten. Wenn warme Luft auf eine kalte Luftschicht drückt, bildet sie eine Warmfront. 
Wenn kalte Luft auf eine warme Luftschicht drückt, bildet sich eine Kaltfront. In unseren nördlichen Breiten 30° - 60° kämpfen ständig kalte Polarfronten gegen von Süden kommende warme Luftfronten und bilden so Hoch und Tiefs die überwiegend ostwärts ziehen. Vor einer Kaltfront zieht immer eine Warmfront. Wenn die Kaltfront (zieht immer schneller ) die Warmfront eingeholt hat, bildet sich eine Okklusionsfront, damit ist das Tief aufgefüllt und stirbt. Meist bilden sich aber daraus ein kleines Rand Tief und Hoch.

Aber so genau wollte und kann ich es auch nicht erklären.

Es gibt aber auch Wind der durch Hitze entsteht und bis zu 4 Bft stark werden kann. Ihr kennt ihn alle, es sind die thermischen Winde die nur in küstennahen Gebieten auftreten. Durch die starke Sonneneinwirkung erwärmt sich das Land stärker als das Wasser. Warme Luft steigt über Land auf (Bildet ein Tiefdruckgebiet) und zieht kalte Luft vom Meer nach. Es entsteht Seewind.

Umgekehrt geht es nachts, das Land hat sich schneller abgekühlt als das Wasser. Über dem Wasser steigt jetzt die wärmere Luft auf und zieht kalte Luft vom Land nach, es entsteht Landwind. Je größer der Temperaturunterschied ist je größer die Windstärke ist.

Es gibt einige Regeln an Bord die immer
hilfreich sind, man sollte sie nutzen:

Beobachte immer den Barographen, Barometer
immer den Luftdruck notieren.


Das barische Windgesetz: 


Kehrt man dem Wind den Rücken, so liegt vorne links das Tief und hinten rechts das Hoch. Wenn man sich mit dem Rücken zum Wind stellt und den linken Arm links ausstreckt zeigt er ins Tief und nach rechts ist das Hoch. Um die Zugbahn des Tiefs festzustellen zeichne den Winkel / die Richtung des linken Arms in die Seekarte ein. Wiederhole es nach ein paar Stunden nochmal und zeichne es in die Seekarte ein. Ist die Peilung rechtsdrehend, Peilung 3, ist der Wind auch rechtsdrehend. Das Tief zieht nördlich am Schiff vorbei. Ist die Peilung linksdrehend, Peilung 2, ist der Wind rückdrehend. Das Tief zieht südlich am Schiff vorbei. Ist die Peilung gleich, steht das Tief oder der Luftdruck fällt und es gibt mehr Wind. Wenn der Luftdruck fällt kommt das Tief direkt auf dich zu. Die Peilung bleibt gleich. Gut wenn man sich jetzt den Barometer Stand notiert hat.

Ist die Sonne abends rot, kennt der Seemann keine Not.

Rote Sonne am Morgen, bringt dem Seemann Sorgen.

 

Kommt der Regen vor dem Wind, zurre alles fest geschwind.

Kommt erst der Wind un dann der Regen, Skipper kann sich schlafen legen. 



       Text ,Tabellen und alle Zeichnungen © Wieland Dörner



Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Wieland Dörner

Diese Homepage wurde mit 1&1 IONOS MyWebsite erstellt.